Frauengesundheit gehört auf die Agenda: unser Auftakt zu „Gesunde Frauen. Starke Wirtschaft.“
„Es gibt viel zu tun. Ready!!!“
Mit diesem Satz hat ein Teilnehmer am Ende des Abends auf den Punkt gebracht, was alle im Raum gespürt haben. Am 1. Oktober haben wir gemeinsam mit W3 unsere neue Reihe „Gesunde Frauen. Starke Wirtschaft.“ gestartet, im hey, Krefeld, dem zentralen Ort in Krefeld, an dem sich Unternehmen und Öffentlichkeit begegnen. Passender geht es für dieses Thema kaum. Und der Auftakt hat gezeigt: Frauengesundheit ist kein Randthema. Sie entscheidet mit über Erwerbsbiografien, über Fachkräfte und über die Arbeitswelt von morgen.

Drei Frauen, ein Dialog
Angestoßen haben die Reihe Kerstin Abraham und Pola Jungmann für LLiT und Dr. Kathrin Batzill für W3, beides Initiativen unter dem Dach des Haus des Wissens und der Wirtschaft. Die Idee: Medizin, Wissenschaft und Wirtschaft an einen Tisch holen. Denn wer nur aus einer Richtung auf Frauengesundheit schaut, sieht zu wenig.
Gendermedizin mit Humor und viel Ehrlichkeit

Durch den Abend führte Dr. Kathrin Batzill. Sie hat ein komplexes Thema leicht gemacht, mit Humor, mit bemerkenswerter Ehrlichkeit und mit dem Mut, auch sich selbst zu hinterfragen. Es ging um Unterschiede in Diagnostik und Therapie, um die weibliche Erwerbsbiografie und um die Frage, was Frauengesundheit für die Arbeitswelt bedeutet.
„Wir müssen uns selbst manchmal etwas ernster nehmen.“
Dieser Satz ist hängen geblieben. Denn Gesundheit passiert nicht einfach mit uns. Wir können uns informieren, nachfragen und selbstbewusst für uns eintreten. Kathrin Batzill hat dazu ermutigt, nicht einfach „die Pille zu schlucken“, sondern genauer hinzusehen: Welche Möglichkeiten gibt es? Auf welcher Evidenz beruht eine Behandlung? Und welche Rolle kannst du selbst dabei übernehmen?
Auch die Teilnahme an medizinischen Studien war Thema. Mehr Wissen über den weiblichen Körper entsteht nicht von allein. Dafür braucht es Forschung, Beteiligung und Frauen, die den Mut haben, Fragen zu stellen und sich einzubringen. Be brave not brav, auch im Wartezimmer.
Wenn Medizin nur den Durchschnitt kennt

Einen zweiten starken Impuls setzte Thao Nguyen, Expertin und Geschäftsführerin der Equal Care AG, live aus der Schweiz zugeschaltet. Sie hat deutlich gemacht, warum geschlechterspezifische Medizin so wichtig ist: Symptome können sich bei Frauen und Männern unterschiedlich zeigen, je nach körperlicher Ausgangslage. Ihr Beispiel war der Herzinfarkt. Was als typisches Symptom gilt, zeigt sich bei Frauen nicht zwingend genauso.
Dahinter steckt eine Forschungslücke. Wenn medizinische Erkenntnisse auf Daten beruhen, die nicht nach Alter, Hormonen und anderen Voraussetzungen unterscheiden, dann werden Krankheiten im Zweifel nur „durchschnittlich“ erkannt, behandelt und verstanden. Und der Durchschnitt ist eben keine Frau.
Wie ein roter Faden zog sich eine Frage durch den Abend: „Welche Evidenz liegt der Antwort zugrunde?“ Mit Blick auf künstliche Intelligenz wird sie noch wichtiger. Denn Wissenslücken in den Daten verschwinden durch KI nicht. Sie können sich sogar vervielfachen.
Von der Medizin in die Arbeitswelt
Für unsere Gäste aus Wirtschaft und Gesellschaft, Frauen wie Männer, war vor allem eine Verbindung neu: die zwischen Frauengesundheit und Arbeitswelt. Gesundheit begleitet uns durch das ganze Berufsleben. Frauen erleben dabei Lebensphasen, die sich auch auf ihre Leistungsfähigkeit auswirken. Gleichzeitig hat sich in den letzten 20 Jahren viel verändert: wer die Hochschulen abschließt und wie viele Frauen erwerbstätig sind.
Damit ist Frauengesundheit ein Thema für jedes Unternehmen, das Fachkräfte halten und eine gute Arbeitswelt gestalten will. Und das ohne erhobenen Zeigefinger. Es geht nicht darum, neue Probleme zu erfinden oder auf andere zu zeigen. Es geht um Wissen, Austausch und konkrete Ideen, wie wir die Veränderungen gut und gemeinsam anpacken.
Eine Wand voller Ideen
Der Abend lebte vom offenen Austausch. Auf unserem Ideenboard landeten Fragen, Erkenntnisse und Impulse, Zettel für Zettel. Am Ende stand eine klare Botschaft an der Wand:
Frauengesundheit gehört auf die Agenda. Auf die Agenda von Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Und vielleicht auch ganz persönlich auf deine eigene.




Danke an Dr. Kathrin Batzill und Thao Nguyen für ihre Impulse und an das hey, Krefeld, dass wir bei euch zu Gast sein durften, und an alle, die mitdiskutiert, mitgeschrieben und mitgedacht haben!
Und jetzt? Weiter geht’s!
„Gesunde Frauen. Starke Wirtschaft.“ ist mehr als der Titel einer Reihe. Der Auftakt hat gezeigt, dass daraus ein größerer Dialog werden kann. In den nächsten Abenden geht es um unterschiedliche Lebensphasen: von Kinderwunsch, Schwangerschaft und Wiedereinstieg über die Wechseljahre bis zu schweren Erkrankungen und der Zukunft der Frauengesundheit.
Der nächste Abend ist am 21. Januar 2027: Kinderwunsch, Schwangerschaft und Beruf. Melde dich an und bring mit, wen das Thema angeht. Es gibt viel zu tun. Ready? Be brave not brav!